Gerold Miller

Künstler: Gerold Miller
Titel: set 106
Entstehungsjahr: 2013
Maße (Höhe x Breite): 160 x 128 x 8 cm
Material/Technik: Edelstahl lackiert
Inventarnummer: SG1012
Die Arbeiten von Gerold Miller bewegen sich an der Schnittstelle von Skulptur, Malerei und Architektur. Es handelt sich um formal reduzierte Objekte, in denen Fläche, Rahmung und Umraum zu gleichwertigen Bildelementen werden. Seine Werke zeichnen sich durch einen präzisen Minimalismus und einer intensiven Präsenz aus.
Set 106 (2013) zeigt eine schwarz lackierte Edelstahlplatte, die als Hintergrund für die Überlagerung eines roten und eines magentafarbenen Rechtecks fungiert. Die kontrastierende Farbigkeit erzeugt ein subtiles, jedoch spannungsreiches visuelles Gefüge.
Ein zentrales Anliegen der Werkreihe Set ist die Reflexion von Raumwirkung. Obwohl die Arbeiten faktisch zweidimensional bleiben, generieren sie durch die Überlagerung der Farbflächen eine illusionistische Tiefenwirkung. Der Eindruck von Räumlichkeit entsteht nicht real, sondern als visuelle Täuschung. Gerade die konsequente Reduktion auf elementare Formen und klare Farbwerte intensiviert diese Wirkung.
Miller lotet in seinen Arbeiten kontinuierlich die Grenzen des Bildbegriffs aus, indem er mit tradierten Vorstellungen von Figuration und Repräsentation bricht. Das klassische Tafelbild wird dabei in seine konstitutiven Bestandteile zerlegt und in eine neue, eigenständige Bildlogik überführt. Es entstehen präzise komponierte Wandobjekte: lackierte Metallflächen, die einerseits als Bilder rezipiert werden, zugleich jedoch einen dezidiert skulpturalen Status behaupten.
Darüber hinaus reflektieren die Arbeiten grundlegende Bedingungen zeitgenössischer Wahrnehmung: Sie funktionieren unmittelbar und visuell prägnant – ähnlich wie Bilder in der heutigen, von schnellen Eindrücken geprägten visuellen Kultur. Zugleich verweigern sich die Werke einer abgeschlossenen Bedeutung: Sie thematisieren das Prozessuale und Potenzielle, indem sie den Bildraum als offen und relational begreifen. Die konkrete Ausstellungssituation sowie die aktive Wahrnehmung der Betrachtenden werden damit zu integralen Bestandteilen der Werkerschließung.