Bild: Naama Tsabar, Melody of Certain Damage # 9, 2018. Courtesy of the Artist and Dvir Gallery. Photo Carolina Bonfanti

Der Klang der Plastik als Gesellschaft

Lamin Fofana, Hanne Lippard, Michaela Melián, Ari Benjamin Meyers, Raphael Sbrzesny und Naama Tsabar

18.10.25 - 18.01.26

Gibt es künstlerische Formen, die zwischen Klang und Raum navigieren, ohne sich der Musik oder der Architektur unterzuordnen? Lässt sich das Klangliche als Raum, das Räumliche als Klang erfahren – nicht metaphorisch, sondern als sinnlich konkrete Wahrnehmung? Und welche gesellschaftlichen Erfahrungen, welche politischen oder sozialen Implikationen tragen diese Formen in sich? Diesen Fragen widmet sich das Ausstellungsprojekt Der Klang der Plastik als Gesellschaft in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen.

Im Zentrum steht die These, dass sich in der Gegenwart künstlerische Positionen identifizieren lassen, die das Verhältnis von Klang, Raum und Gesellschaft auf radikal neue Weise verhandeln – jenseits gattungsbezogener Zuschreibungen und fern etablierter Disziplinargrenzen. Diese Werke entziehen sich der klassischen Einteilung in Bildende Kunst, Musik oder Architektur und beanspruchen stattdessen eine neue ästhetische Zone: eine Zone, in der das Plastische klingt und das Klangliche Form annimmt; eine Zone, in der künstlerisches Tun immer auch gesellschaftliche Verortung ist.

Der Begriff der postautonomen Kunst bildet dabei einen zentralen theoretischen Ausgangspunkt. Gemeint ist eine Kunst, die ihre Autonomie nicht aufgibt, aber produktiv überschreitet – indem sie sich als Teil gesellschaftlicher Prozesse versteht, ohne sich funktional vereinnahmen zu lassen. Postautonome Kunst operiert nicht nur formal an den Schnittstellen von Disziplinen, sondern beansprucht auch inhaltlich eine Relevanz jenseits des Ästhetischen im engeren Sinne. Sie ist nicht nur „über Kunst“, sondern über das Zusammenleben, über Zeit, Körper, Macht, Umwelt, Kommunikation.

Die Ausstellung versammelt künstlerische Arbeiten, die sich klanglich wie räumlich artikulieren – Installationen, skulpturale Klangräume, performative Konfigurationen – und dabei eine neue Sensibilität für die Beziehungen zwischen Körper, Raum, Medium und Gesellschaft entwerfen. In ihrer Vielstimmigkeit und Materialität machen sie erfahrbar, dass Klang nicht immateriell ist, sondern durch Räume, Resonanzen und Reibungen gesellschaftlich geformt wird. Sie entwerfen Raum nicht als statische Hülle, sondern als atmende, sprechende, widerständige Größe.

Der Klang der Plastik als Gesellschaft versteht sich als Pendant zu den Donaueschinger Musiktagen 2025 – jedoch nicht als musikalisches Festival, sondern als Plattform für gegenwärtige, klanglich-räumliche Kunst, die das Versprechen des Unerprobten ernst nimmt. Baden-Württemberg, mit seiner Geschichte der künstlerischen Avantgarde und interdisziplinären Praxis, bietet dabei fruchtbaren Boden: Die Ausstellung knüpft an diese Geschichte an, aktualisiert sie und überführt sie in die Gegenwart.

Ziel ist es, einen Resonanzraum zu schaffen – im doppelten Sinne: als physisch begehbare Ausstellung und als gedanklicher Ort für die Auseinandersetzung mit einer Kunst, die nicht nur neue Formen hervorbringt, sondern auch neue Beziehungen. Zwischen Werk und Publikum. Zwischen Körper und Gesellschaft. Zwischen Raum und Klang.

Der Klang der Plastik als Gesellschaft wird kuratiert von Dr. Alejandro Perdomo Daniels, Leiter der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen.

gefördert von

Sonntag, 19.10.2025, 11.00 Uhr
Vernissage

Begrüßung: Jürgen Roth, Oberbürgermeister
Einführung: Dr. Alejandro Perdomo Daniels, Leiter der Städtischen Galerie


Sonntag, 19.10.2025, 13.00 Uhr
Performative Aktivierung von Ari Benjamin Meyers’ Werk Who’s Afraid of Sol La Ti?
durch Susanne Fröhlich
  

Sonntag, 26.10.2025, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung
  

Sonntag, 9.11.2025, 14.00 Uhr
öffentliche Führung
  

Freitag, 14.11.2025, 20.00 Uhr
Konzert
Lamin Fofana: Works in Metal /Mark Ernestus’ Ndagga Rhythm Force

MPS-Studio e. V.
Richthofenstraße 1/1, 78048 VS-Villingen
Tickets und Infos unter mps-studio.de/events 


Samstag, 15.11.2025, 11.00 Uhr
Künstlergespräch
Dr. Alejandro Perdomo Daniels im Gespräch mit Lamin Fofana
  

Sonntag, 16.11.2025, 11.00 Uhr
Konzert
Musikalische Interpretation der Ausstellung Der Klang der Plastik als Gesellschaft durch
die Musikakademie Villingen-Schwenningen
Anmeldung via galerie@villingen-schwenningen.de
oder 07720 / 82-1098

Donnerstag, 27.11.2025, 18.00 Uhr
After-Work-Führung
  

Donnerstag, 4.12.2025, 18.00 Uhr 
Gespräch
Plakat, Klang und Öffentlicher Raum:
Subkultur VS mit Dr. Alejandro Perdomo Daniels (Galerieleiter), Viktoria Wilhelmine Tiedeke und Töni Schifer (Freie Kulturszene)

MPS-Studio e. V.
Richthofenstraße 1/1, 78048 VS-Villingen
Freier Eintritt 


Sonntag, 7.12.2025, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung 


Samstag, 13.12.2025, 14.00 Uhr
Performative Aktivierung von Ari Benjamin Meyers’ Werk Who’s Afraid of Sol La Ti?
durch Susanne Fröhlich 


Sonntag, 14.12.2025, 14.00 Uhr
Performative Aktivierung von Ari Benjamin Meyers’ Werk Who’s Afraid of Sol La Ti?
durch Susanne Fröhlich
  

Sonntag, 11.1.2026, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung 


Sonntag, 18.1.2026, 15.00 Uhr
Finissage mit Kuratorenführung