Bild: Frank Kleinbach

Le sel noir. Perspektiven Schwarzer Gegenwartskunst

Valerie Asiimwe Amani, Lisa Marie Asubonteng, Sonia E. Barrett, Syowia Kyambi, Mónica de Miranda, Nástio Mosquito, Harold Offeh, Ngozi Schommers, Usha Seejarim und Lerato Shadi

15.03. bis 15.06.25

Benannt nach einem Gedichtzyklus des aus Martinique stammenden Philosophen und Dichters Édouard Glissant, nimmt die Ausstellung Le Sel Noir ihren Ausgang bei zentralen Begriffen seines Denkens: Relation, Weltbeziehung und Opazität. Inspiriert von Glissants poetisch-philosophischem Werk versammelt die Ausstellung künstlerische Positionen der jüngeren Gegenwart, die sich mit Schwarzer Subjektivität auseinandersetzen – verstanden als Ausdruck von Identifikation, Selbstverortung und ästhetischer Handlungsmacht.

Le Sel Noir geht von der These aus, dass Schwarze Subjektivität in einer globalisierten, durch Migration, Ungleichheit und ethnisierte Weltverhältnisse geprägten Wirklichkeit ein zentraler Bezugspunkt für Kämpfe um Anerkennung, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe ist. Ohne Identität zu verabsolutieren, beleuchtet die Ausstellung die Spannungsfelder zwischen Selbstbeschreibung und Fremdzuschreibung, zwischen Zuschreibungen von außen und künstlerischen Strategien der Selbstermächtigung.

In diesem Kontext fragt die Ausstellung auch nach den Formen und Grenzen solidarischer Beziehungen. Sie wirft einen kritischen Blick auf westlich geprägte Narrative von Hilfe, Empathie und Paternalismus – insbesondere dort, wo gut gemeinte Unterstützung rassifizierte Machtverhältnisse eher zementiert als überwindet. Diese widersprüchliche Dynamik wird als ethisches Paradox verstanden und als solches kritisch beleuchtet.

Das in der Ausstellung thematisierte Schwarze Subjekt erscheint nicht als homogene Kategorie, sondern als Entfaltungsmöglichkeit des Selbst zwischen komplexen kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und der partikularen Selbstverortung – insbesondere im Hinblick auf Hautfarbe als vermeintlich sichtbares Zeichen von Differenz. Die Werke der Künstlerinnen und Künstler reagieren auf dieses Spannungsverhältnis nicht mit Anpassung, sondern mit Selbstbewusstsein: Sie schaffen Räume, in denen sich die Tiefe, Vielschichtigkeit und Unergründlichkeit des Selbst – das, was Glissant als „Opazität“ beschreibt – behaupten kann, ohne sich selbst dabei als Möglichkeit preiszugeben.

Le Sel Noir versteht sich als künstlerische und gesellschaftspolitische Intervention: Die präsentierten Werke operieren jenseits traditioneller Gattungsgrenzen und loten das Potenzial postautonomer Kunst aus – einer Kunst, die nicht nur ästhetisch, sondern auch gesellschaftlich wirksam sein will. In der Verbindung von Poetik und Kritik eröffnen sie neue Perspektiven auf Repräsentation, Subjektivität, Machtverhältnisse und soziale Entfaltungsräume.

Dabei ist die Ausstellung dezidiert nicht an ethnische, biologische oder substanzialistische Konzepte von Identität gebunden. Im Zentrum stehen vielmehr die Erfahrungen, Kämpfe und Ausdrucksformen Schwarzer Künstlerinnen und Künstler, die beim Bekunden von Subjektivität Konfliktmomente des gesellschaftlichen Werden kritisch reflektieren – und zwar mit den Mitteln der Kunst. Le Sel Noir ist somit zugleich ein Beitrag zur kritischen Selbstverständigung einer pluralen Gesellschaft und eine Feier künstlerischer Handlungsmacht.

Zehn künstlerische Positionen, deren Leben, Werk und/oder Wirken sie mit Europa verbindet: Valerie Asiimwe Amani, Lisa Marie Asubonteng, Sonia E. Barrett, Syowia Kyambi, Mónica de Miranda, Nástio Mosquito, Harold Offeh, Ngozi Ajah Schommers, Usha Seejarim und Lerato Shadi, eröffnen mit bestehenden und eigens für die Ausstellung konzipierten Arbeiten einen Dialog entlang der Behauptung Schwarzer Subjektivität.

Nach der Präsentation in Villingen-Schwenningen vom 15. März bis 15. Juni 2025 wird das Kooperationsprojekt der Städtischen Galerien aus Bremen und Villingen-Schwenningen vom 17. August bis 19. Oktober 2025 in Bremen realisiert. Le Sel Noir wird von einer umfangreichen Publikation und einem vielfältigen Bildungs- und Vermittlungsprogramm begleitet. Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Alejandro Perdomo Daniels, Leiter der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen.

Rahmenprogramm

 

März


Freitag, 14.3.2025, 19.00 Uhr
Vernissage

Samstag, 15.3.2025, 11.00 Uhr
Künstler:innengespräch

Donnerstag, 20.3.2025, 17.30 Uhr
After-Work-Führung
 

April


Dienstag, 1.4.2025, 15.00 Uhr
Telefonführung in Kooperation
mit ›Bei Anruf Kultur!‹
Inklusive Führung über das Telefon
Anmeldung via buchung@beianrufkultur.de
oder TEl 040/209 404 36.
Infos unter beianrufkultur.de

Mittwoch, 2.4.2025, 12.30 Uhr
Kleine Kunstpause für Studierende
Dauer: 30 Minuten

Freitag, 11.4.2025, 20.00 Uhr
Jazzkonzert: Ben LaMar Gay Ensemble (USA)
MPS-Studio e. V.
Richthofenstraße 1/1, 78048 VS-Villingen
Tickets und Infos unter mps-studio.de/events

Sonntag, 13.4.2025, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung

Sonntag, 27.4.2025, 14.00 Uhr
Kuratorenführung
 

Mai


Montag, 5.5.2025, 20.15 Uhr
N – The Madness of Reason
Filmvorführung
Peter Krüger, B / Nl / D 2014
Kino guckloch
Im Kulturzentrum Scheuer, Kalkofenstraße 3 a,
78050 Villingen-Schwenningen
Tickets und Infos unter www.guckloch-kino.de

Sonntag, 11.5.2025, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung

Montag, 19.5.2025, 20.15 Uhr
Mami Wata
Filmvorführung
C. J. ›Fiery‹ Obasi, Nigeria 2023
Kino guckloch
Im Kulturzentrum Scheuer, Kalkofenstraße 3 a,
78050 Villingen-Schwenningen
Tickets und Infos unter www.guckloch-kino.de

Mittwoch, 21.5.2025, 18.00 Uhr
Transkulturalität und transkulturelles Lernen im Rahmen
der Ausstellung Le Sel Noir
Vortrag von Prof. Dr. Julika Baumann Montecinos
Hochschule Furtwangen, Campus Schwenningen,
E-Gebäude, Jakob-Kienzle-Straße 17,
78054 Villingen-Schwenningen. Eintritt frei.
Infos unter galerie.villingen-schwenningen.de

Sonntag, 25.5.2025, 15.00 Uhr
Öffentliche Führung

Mittwoch, 28.5.2025, 17.00 Uhr
Aspekte der Postautonomie am Beispiel von Le Sel Noir
Vortrag von Dr. Alejandro Perdomo Daniels
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen
Anmeldung via vhs@villingen-schwenningen.de
oder Tel. 07720/82–3344
Infos unter vhs.villingen-schwenningen.de
 

Juni


Montag, 2.6.2025, 20.15 Uhr
Saint Omer
Filmvorführung
Alice Diop, F 2022
Kino guckloch
Im Kulturzentrum Scheuer, Kalkofenstraße 3 a,
78050 Villingen-Schwenningen
Tickets und Infos unter www.guckloch-kino.de

Sonntag, 15.6.2025, 14.00 Uhr
Finissage mit Kuratorenführung